Was ist ein ETF? Lerne JETZT alles (ca. 10 Min.)

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Was ist ein ETF? Was kann er und was nicht – worin liegen also seine Vor- und Nachteile? Was passiert bei einer Insolvenz des Anbieters?

Bevor wir tiefer einsteigen, zunächst zwei grundsätzliche Aspekte: Die Abkürzung ETF steht für Exchange Traded Fund und im Gegensatz zum klassischen Aktienfonds wird ein ETF an der Börse gehandelt. Eine weitere interessante Besonderheit sind außerdem die vergleichsweise niedrigen Kosten von ETF. Dazu gleich mehr…

Die Idee einen Index nachzubilden, gibt es schon eine ganze Weile

Der älteste und heute mit Abstand größte ETF ist der SPY, welcher auf dem S&P500 basiert. An den Start gebracht wurde er Anfang der 90er Jahre, wobei die Idee eines marktabbildenden, kostengünstigen Fonds noch viel weiter zurückreicht.

Verwaltet wird dieser Fonds von Standard & Poor’s Depositary Receipts, kurz SPDR. Umgangssprachlich hat sich in der Finanzwelt davon der Begriff Spider abgeleitet. Wie du siehst, sind Finanzler oft ganz schön kreativ wenn es um das Ausdenken von blumigen Namen geht 😉

Die Idee hinter einem ETF ist das strikte Nachbauen eines Index z.B. den oben erwähnten S&P 500 oder auch den DAX. Hierzu werden einfach die im Index enthaltenen Wertpapiere in der gleichen Zusammensetzung gekauft und bei Bedarf nachbalanciert.

Das bedeutet, du wirst die gleiche Performance fahren wie der Markt insgesamt. Studien belegen ganz klar, ein klassischer Indexfonds hat über einen längeren Zeitraum nahezu jeden klassischen Aktienfonds platt gemacht.

Mittlerweile gibt es auch sogenannte Smart-Beta ETF, aber hiervon kann ich dir nur abraten. Dahinter verbergen sich gewisse Tradingideen, die in ein Wertpapier verpackt und für Normalanleger handelbar gemacht werden. Mit den ETF im klassischen Sinne haben diese Smart-Beta ETF nichts zu tun. Lege auf deinem Weg zur finanziellen Freiheit dein Geld stets in die Wirtschaft als Ganzes an und nicht in ein obskures Handelssystem.

Die Branche wächst wie wild

Obwohl es ETF schon so lange gibt, haben sie trotz stetigem Wachstum anfangs eher eine Nebenrolle gespielt. Die Mehrheit der Anleger war oder ist nach wie vor äußerst fokussiert auf Einzelaktien und aktiv gemanagte Investmentfonds. Das hat bei Letzteren vor allem mit provisionsgetriebenen Bankberatern zu tun, die an klassischen Aktienfonds einfach gut verdienen.

Im Gegensatz dazu gibt es für diese Berater im Falle von ETF nicht besonders viel herauszuschlagen, denn durch die niedrige Kostenquote sind die möglichen Provisionen deutlicher kleiner bis nicht existent.

Daher mussten ETF sich alleine ihren Weg nach oben kämpfen und Anleger überzeugen. Sieht man sich das Wachstum der Branche an, dann gelingt ihnen das mittlerweile auch ziemlich gut. Von gewissen Dellen abgesehen, wächst das Volumen der in ETF investierten Gelder über die Jahre stetig an.

Unschwer erkennbar ist, dass die Branche gut im Aufwind ist und mittlerweile sind ETF nicht mehr nur ein Nischenthema für Akademiker und Finanzprofis, sondern sie bahnen sich ihren Weg zum ganz normalen Privatanleger. Und das ist meiner Meinung nach auch gut so.

Ein ETF oder ein Indexfonds ist billig

Bei einem ETF gibt es ein genau festgelegtes Regelwerk, wann was gekauft, wann was verkauft wird und was hat im Fonds drin zu sein. Ein unschlagbarer Vorteil dieser Herangehensweise ist, dass man diese Kauf- und Verkaufsprozesse automatisiert an Computer übergeben kann.

Man braucht keinen gewieften Manager, der irgendwelche Bilanzen wälzt oder Insiderinformationen ausfindig macht. Lediglich einfache Regeln, die der Computer abarbeitet. Diesen Kostenvorteil geben die ETF-Anbieter gerne an die Anleger weiter und so belaufen sich je nach zugrundeliegendem Index die jährlichen Verwaltungskosten auf wenige Basispunkte.

Der oben erwähnte SPY auf den S&P 500 beispielsweise kostet momentan 0,09% im Jahr. Viele traditionelle Kraut und Rübenfonds kosten meist 2% und mehr pro Jahr und performen nachweislich schlechter. Zig Studien belegen das. Und 2% im Jahr musst du auch erst einmal einfahren! Denn egal, ob es donnert oder blitzt, die Jungs vom Fonds wollen bezahlt werden. Denen ist es ganz gleich, wie schlecht das Jahr für dich gelaufen ist.

Wenn wir eine Inflation von 2% und keine Steuern annehmen, dann muss dein Investment bereits mehr als 4% Rendite abwerfen, um dich kaufkraftbereinigt ins Plus zu hieven. In einer Welt ohne Steuern! Das ist meiner Meinung nach ein mehr als inakzeptabler Happen, der dir hier abgezwackt wird.

Was 2% über einen Zeitraum von 15 – 20 Jahren ausmachen, kannst du dir mittels eines Rentenendwertrechners ansehen. Probiere es aus: Gebe einmal 5% ein und das andere Mal 3%. Du siehst, 2% weniger bedeuten einen großen Haufen Kohle, der dir weggenommen wird.

ETF sind sehr liquide

Wenn wir hier über Liquidität sprechen, dann meine ich die klassischen großen Fonds auf Indizes wie den STOXX Europe 600, den S&P 500 oder von mir aus auch den MSCI World. Diese ETF haben normalerweise ein reges Handelsvolumen und können daher zu fast jeder Zeit gekauft und verkauft werden.

Hier siehst du wie eng der Bid-Ask für den Spy (S&P 500) ist, obwohl die Börsen gerade geschlossen haben (!):

Bid-Ask Spy

Bid-Ask des SPY

Was eigentlich sehr positiv klingt, birgt aber einige psychologische Stolpersteine. Denn wenn es sehr leicht ist etwas zu verkaufen, dann ist man während der nächsten Krise eher versucht es vielleicht wieder loszuwerden. Tu das bloß nicht!

Ein wesentlicher Aspekt vom erfolgreichen Anlegen ist es, solche Phasen auszusitzen und der Versuchung zu widerstehen, nicht den ganzen Crash mitzumachen. Glaube mir, in der Regel geht das schief und du verpasst die Erholung, die deine erlittenen Verluste wieder wettgemacht hätte. Mehr dazu findest du in meinem gesonderten Artikel zu Finanzkrisen und dem richtigen Verhalten.

Sieh den Aspekt der Liquidität eher so: es ist dir fast zu jeder Zeit möglich einen ETF zu einem fairen Preis zu kaufen und bis in alle Ewigkeit in dein Depot zu legen.

Mit einem ETF kannst du ausgezeichnet diversifizieren

Je nach Index, auf dem der Fonds fußt, kannst du mit nur einem Anteilsschein in viele, ja tausende verschiedene Unternehmen gleichzeitig investieren! Anstatt 500 einzelne Aktien zu kaufen, legst du dir einfach einen entsprechenden ETF ins Depot. Der Zauber dieser Fonds liegt darin, dass sie Privatanlegern das ermöglichen, was früher nur den Gutbetuchten möglich war.

Einen ganzen Markt ins Depot kaufen. Je nachdem, werden die wenigsten unter uns sich 500 Aktien in einer marktkapitalisierten Gewichtung auf einmal kaufen können. Aber einen ETF, den können wir uns alle besorgen.

ETF demokratisieren durch diese Zugänglichkeit somit die Aktienmärkte.

Was ist ein ETF überhaupt genau und wie funktioniert er?

Was ist ein ETF und wie funktioniert sowas

Ich habe bereits viel dazu geschrieben, doch was ist ein ETF denn jetzt eigentlich genau? Ein ETF ist im innersten Kern ein sogenanntes Sondervermögen. Um dieses Sondervermögen dreht sich alles. Es ist eine Art rechtliche Hülle, erschaffen und verwaltet von z.B. iShares (ich sage im Folgenden jetzt immer iShares und meine damit jeden ETF-Anbieter). In diesem Sondervermögen liegen später mal die Wertpapiere, die den ETF ausmachen.

ETF-Anteile entstehen im sogenannten Creation Process. Hierzu tritt ein Market Maker (oft Banken, diese sorgen dafür, dass an Börsen jederzeit ge- und verkauft werden kann) über den Verwalter an das Sondervermögen heran und legt, im einfachsten Fall, Aktien im Verhältnis des jeweiligen Index hinein, welche er sich selbst irgendwann zuvor, meist an der Börse, besorgt hat. Dafür erhält er Anteile am Sondervermögen und kann diese nun über die Börse an dich weiterverkaufen.

Im Redemption Process passiert das genaue Gegenteil: der Market Maker hat eine bestimmte Anzahl ETF, gibt diese Anteile an das Sondervermögen zurück und erhält dafür Wertpapiere in der momentanen Zusammensetzung des Index. Theoretisch kannst du übrigens auch selbst Anteile eintauschen. Allerdings ist 50.000 ein übliches Minimum, um direkt mit dem Fondsanbieter in Austausch treten zu können.

Was ist, wenn iShares pleitegeht?

In der obigen Grafik kannst du auch sehr gut erkennen, was iShares eigentlich macht. Es verwaltet und kümmert sich um das Organisatorische rund um das Sondervermögen. Diese Aufgaben lässt sich das Unternehmen natürlich bezahlen, und aus dem Sondervermögen geht die Total Expense Ratio (TER) als Kompensation an den Verwalter.

Das ist nur fair und gut, denn die Jungs bei Blackrock (die Firma hinter/ über iShares) stellen die Infrastruktur, kümmern sich um steuerliche Angelegenheiten und machen halt die ganze Verwaltungsarbeit, die so anfällt. Was alles darunter fällt, kannst du auch in meinem Artikel “Einen ETF nachbauen? Lohnt sich das denn?” im Detail nachlesen.

Es ist wichtig hier festzuhalten: das Sondervermögen gehört nicht iShares! Das gehört den Eigentümern und das bist du sowie zahlreiche andere Investoren, die einen Teil an diesem Sondervermögen erworben haben. Auch wenn iShares Werbung und anderes macht, im Endeffekt gehört der Fonds allen, die einen Anteil im Depot liegen haben.

Es gibt da jede Menge Regularien und Vorschriften, die ETF-Anbieter wie iShares einhalten müssen. Im Wesentlichen geht es darum, dass das Sondervermögen immer sauber vom Vermögen des Verwalters getrennt ist. Das wird auch jährlich von einem Wirtschaftsprüfer gegengecheckt, sodass es hier keinesfalls zu Ungereimtheiten kommt.

Um auf die eigentliche Frage zurückzukommen, was passiert, wenn iShares bankrottgeht: das Sondervermögen steht ohne Verwalter da. Aber je nach Fondsgröße kannst du davon ausgehen, dass andere Verwalter Schlange stehen, um die Betreuung zu übernehmen.

Dein Vermögen ist durch die oben erklärte Trennung nach wie vor da und wartet nur darauf, weiter verwaltet zu werden. In der Zwischenzeit kann es aber zu einigen Unsicherheiten kommen und vermutlich wirst du die ETF-Anteile auch nicht handeln können. Nach einer Übergangsphase ist es aber sehr wahrscheinlich, dass der Laden unter einem neuen Namen wie gewohnt weiterläuft.

ETF sind eine tolle Sache

Wie du siehst, hat diese Art von Fonds eine Menge Vorteile und es ist kein Wunder, dass sie so populär geworden sind.

  • Ein ETF ist billig, sowohl beim Kauf als auch im Depot
  • ETF bilden einen Markt als Ganzes ab und das ist nach derzeitigem Stand der Wissenschaft das Klügste, was man auf den Aktienmärkten tun kann
  • Mit nur einem Wertpapier kannst du sehr gut diversifiziert sein, das war früher nur mit deutlich mehr Geld möglich

Und dieser Trend wird sich noch verstärken, denn momentan ist trotz allem viel Geld in klassischen Aktienfonds geparkt. Vermutlich einfach aus dem Unwissen vieler Anleger heraus und der Provisionskultur im Vertrieb. Aber auch hier kommt spürbar Bewegung in den Markt und ich bin mir sicher, in 10 Jahren hat nahezu jeder Anleger zumindest einen ETF im Depot.

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