Warum die meisten Smart Beta ETF in Wahrheit dumm wie Brot sind

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Smart Beta ETF, manchmal auch als Faktor ETF bezeichnet, sind momentan ein richtig heißer Trend und sorgen für einen sehr großen Teil der Mittelzuflüsse in der Branche.

Der Haken daran ist:

Sie machen das sowieso schon unübersichtliche Angebot an ETF für Privatanleger noch verwirrender. Zeit also einen prüfenden Blick auf diese nicht immer so schlauen und manchmal sogar richtig dummen Teile zu werfen.

Was ist ein Smart Beta ETF überhaupt?

Faktor ETF unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht besonders von anderen handelsüblichen ETF, sprich man kann sie ganz normal kaufen oder verkaufen. Es gibt nachvollziehbare Regeln, aus was dieser Fonds sich zusammensetzt und wie dieser angepasst wird.

Der Unterschied besteht darin, dass klassische ETF sich auf dir wahrscheinlich schon bekannte Indizes beziehen. Meistens die größten X Unternehmen aus Region Y gewichtet nach Marktkapitalisierung. Sowas in der Art.

Einem Smart Beta ETF hingegen liegt eine Art mechanische Handelsregel zugrunde. Beispielsweise die 10 Unternehmen mit der größten Dividendenrendite im DAX.

Oder alle Unternehmen des S&P 500 aber alle gleich gewichtet (statt nach Marktkapitalisierung).

Oder die 50 größten Valueunternehmen des MSCI World.

Oder die 50 größten Growthunternehmen des MSCI World.

Oder, oder, oder.

Die Vielfalt ist schier gigantisch.

Aber genau wie vorm Marmeladenregal ist man von der Auswahl teilweise so erschlagen, dass man gar nicht weiß was man nun nehmen soll.

Was tun?

Welche Arten von Smart Beta ETF gibt es? Ein Überblick.

Da Smart Beta ETF so vielfältig sind, ist es nicht ganz leicht sie zu sortieren, dennoch lassen sich grob ein paar Kategorien identifizieren:

Value: Dieser Ansatz präferiert solide sowie wertbeständige Aktien und unterstellt diesen auf lange Sicht eine Outperformance.

Growth: Hierbei wird den Papieren wachstumsstarker, damit meist auch kleinerer, Unternehmen der Vorzug gegeben.

Equal-Weight: Für diese Art von Faktor ETF werden die Indexbestandteile nicht nach Marktkapitalisierung gewichtet sondern alle gleich. Von Zeit zu Zeit, oft einmal pro Jahr oder Halbjahr, werden die Positionen wieder auf die gleiche Größe rasiert.

Momentum: Aktien die in der letzten Zeit gut gelaufen sind wird unterstellt auch in der nächsten Zeit überdurchschnittlich zu laufen.

Dividenden: In letzter Zeit immer mehr in Mode gekommen sind Dividendenstrategien. Hier wird davon ausgegangen, dass Unternehmen mit einer langen soliden Dividendenhistorie den Marktdurchschnitt knacken.

Low/Minimum Volatility: Meist ein großer bekannter Index in der Warmduschervariante. Durch den Verzicht auf die Bestandteile mit der größten Schwankung soll am Ende etwas Risikoärmeres für den Anleger herauskommen.

Diese grobe Klassifikation sollte vorerst genügen, man könnte hier aber natürlich auch beliebig tief ins Detail gehen.

Ok, wie geht’s jetzt weiter?

Mein Dreifaltigkeitsmantra: Diversifiziert, Kostengünstig, Kontinuierlich

Eigentlich ist es an der Börse ganz einfach:

Man hält sich schlicht an das, was die Wissenschaft uns sagt und setzt das dann konsequent um.

Nur ist eben das, was die wissenschaftlichen Fakten uns sagen, so dermaßen banal und schlicht, dass wir es teilweise gar nicht wahrhaben wollen.

Die Kapitalmärkte müssen doch kompliziert sein! Da sind schließlich lauter kluge Brains unterwegs.

Nichts könnte meiner Meinung nach weniger zutreffen als das. Geld anlegen ist simpel. Man kann und muss eben nur die folgenden drei Grundsätze befolgen und fertig ist die Laube:

1. Diversifiziert

2. Kostengünstig

3. Kontinuierlich

Wenn diese drei Punkt gleichzeitig erfüllt sind, dann hat man alles getan was notwendig ist, um sich aus statistischer Sicht das beste Blatt im Spiel an der Börse zusammenzustellen.

Und genau daran möchte ich auch Smart Beta ETF auch messen.

Sind Faktor ETF breit diversifizierte Fonds?

Nun, das kommt darauf an.

Wie eingangs schon erwähnt, Smart Beta ETF gibt es in unglaublich vielen verschiedenen Variationen und für sehr verschiedene Themen auf die sie sich beziehen können.

Daher ist es nicht seriös möglich eine generelle Aussage hinsichtlich der Diversifikation bzw. Marktbreite zu treffen.

Daher muss ich mich hier auf ein paar Regeln festlegen, ab wann ich einen Fonds als ausreichend diversifiziert bezeichnen würde.

Über diese Definition kann man sich sicherlich trefflich streiten und ich fordere dich auf mich kritisch zu hinterfragen. Vergiss also nicht einen Kommentar nach der Lektüre dieses Artikels dazulassen.

Ok, um einen Index also als diversifiziert bezeichnen zu können müssen in meinen Augen folgende Bedingungen erfüllt sein:

1. Es sollten wenigstens 500 Werte vertreten sein.

Diese Zahl ist zugegeben relativ willkürlich von mir gewählt aber eben auch nur relativ:

Wie manche vielleicht schon mal gehört haben ist der Zugewinn an Diversifikation mit der zweiten Aktie am größten, mit der dritten Aktie etwas kleiner, mit der vierten Aktie nochmal etwas kleiner und so weiter und so fort.

Es hält sich auch hartnäckig der Glaube mit 30 Aktien im Portfolio hätte man die Diversifikation schon ausreichend ausgeschöpft aber das sehe ich nicht so. Der Zugewinn an Diversifikation ist vielleicht pro Aktie nicht mehr so groß aber er ist positiv. Daher sollte man dahingehend mitnehmen was geht.

500 habe ich deswegen als Orientierungshilfe gewählt, weil es die kleinste Größe eines ETF in meinem Portfolio ist (S&P 500). Jetzt bin ich sicher nicht das Maß aller Dinge aber unter den gängigen, für einen ETF geeigneten, Indizes ist das nun mal der Kleinste.

10, 20, oder auch 30 Werte sind einfach zu wenig. Ja, ich sehe dich an DAX!

Gleichzeitig hat man bei dieser Zahl zwangsläufig nicht nur Dickschiffe wie Apple oder Bayer mit im Boot, sondern auch normal große Unternehmen. Man diversifiziert also automatisch zumindest auch ein Stück weit hinsichtlich der Unternehmensgröße.

Weiterhin ist bei einer so großen Zahl auch eine gewisse geographische Diversifikation gegeben, denn viele Unternehmen aus den Industrienationen erwirtschaften auch Gewinne in Schwellenländern.

Daher ist die Zahl der Unternehmen tatsächlich wenigstens ein Stück weit ein Gradmesser für Diversifikation unter mehreren Gesichtspunkten und kann uns somit als Daumenregel dienen.

2. Der Index darf sich nicht nur an bestimmten Sektoren orientieren

Es dürfte auch klar sein, dass ein Sektor die anderen nicht massiv dominieren sollte. 500 Aktien im Immobilienbereich würde ich beispielsweise sicher nicht als diversifiziert bezeichnen.

In der Praxis bedeutet das meistens, den Sektor Finanzdienstleistungen im Auge zu haben, da dieser in vielen Indizes stark dominiert.

Wenn diese beiden Bedingung zusammen zumindest halbwegs erfüllt sind (ob du es glaubst oder nicht, die Geldanlage an der Börse ist keine exakte Wissenschaft), dann ist auch ein ETF auf diesen Index aus Sicht der Diversifikation geeignet.

Um jetzt wieder zurück zu unseren Faktor ETF zu kommen:

Da diese so unterschiedlich sind musst du kritisch hinterfragen ob er wirklich ausreichend marktbreit ist.

Ein S&P 500 Equal Weight kann man sicherlich als ordentlich diversifiziert betrachten. Einen Faktor ETF auf den DivDAX mit 15 Werten wohl eher nicht.

Das heißt prinzipiell musst du als Anleger, wie sonst auch, zumindest grob überprüfen ob der ETF halbwegs ordentlich streut. Man kann also argumentieren, dass es in dieser Hinsicht keinen Unterschied zwischen Smart Beta ETF und regulären ETF gibt.

Ist ein Smart Beta ETF kostengünstig?

Hier kommen wir den eigentlichen Nachteilen bereits ein Stückchen näher. Ich habe hier eine Übersicht mit einigen Faktor ETF auf den S&P 500 aufgelistet:

StrategieFondsTER
StandardSPDR S&P 5000,09%
ValueiShares S&P 500 Value0,18%
GrowthiShares S&P 500 Growth0,18%
Equal WeightGuggenheim S&P 500 EW0,40%
MomentumiShares Edge MSCI USA Momentum0,15%
DividendenProShares S&P 500 Dividend Aristocrats0,35%
Low VolatilityPowershares S&P 500 Low Vola0,25%

Für die Momentumstrategie habe ich keinen relevanten ETF für den S&P 500 finden können, daher musste ich hier auf den MSCI USA ausweichen. Dieser Index ist in der Grundvariante aber quasi identisch zum S&P 500. Mir ist natürlich klar, dass es aus akademischer Sicht kein perfektes Vorgehen ist aber es gibt Interessierten zumindest eine gute Idee von der Materie.

  • Achtung: Manche dieser Fonds sind steuerhässlich und daher nicht besonders schön für Investoren in Deutschland. Ich habe diese hier lediglich ausgewählt, da es sonst nicht möglich gewesen wäre meinen Vergleich (siehe weiter unten) durchzuführen.

Wie wir beide unschwer erkennen können, sind die Teile teilweise deutlich teurer als ihr dummes Geschwisterchen.

Ist ja auch logisch:
Während ein normaler Index-ETF mit einer relativ simplen Formel von einem Computer praktisch auf Autopilot zusammengestellt werden kann, ist bei vielen Smart Beta ETF zumindest ein wenig mehr Eigenleistung gefragt. Sei es ein komplexerer Algorithmus oder ein zusätzlicher einsamer Fondsmanager in seinem Glasturm, der sich seit neuestem sein Büro mit einer Maschine teilen muss.

So oder so: das kostet.

Erschwerend kommt hinzu, dass in vielen dieser Faktor ETF Aktien großer Unternehmen weniger stark vertreten sind. Diese wären aber billiger zum Handeln.

Ein anderer Aspekt ist, dass das Volumen nicht mit dem der großen Flaggschiffe der Branche mithalten kann. Damit die ganze Sache sich für den Anbieter trotzdem noch rentiert, sind die Kosten dafür also etwas höher.

Ok, viele gute Gründe, warum einem für einen Smart Beta ETF mehr Geld abgeknöpft wird.

Die eigentliche Frage die sich dir und mir da stellt:

Rentieren sich Smart Beta ETF auch mehr und überkompensieren sie so womöglich die Mehrkosten?

Haben Smart Beta ETF eine höhere Rendite als normale ETF?

Du hast dich vielleicht schon gewundert, warum ich die ganze Zeit ein wenig auf dem S&P 500 herumreite. Nicht weil ich ihn besonders toll finde, sondern vielmehr weil er so groß und bekannt ist.

In Folge gibt es auf diesen auch relativ viele Faktor ETF und die Benchmark ist unstrittig. Das erlaubt uns jetzt mal nachzuprüfen, wie sich Smart Beta ETF denn in der Vergangenheit so geschlagen haben.

Zeit also good ol’ Excel anzuwerfen und ein paar Datenreihen durchzujagen. Danach wissen wir definitiv mehr.

Gemessen habe ich eben jenen illustren Kreis an ETF von der Liste weiter oben. Da jetzt gleich mehrere Grafiken folgen muss ich kurz die Details erklären: Ich habe die verschiedenen ETF indexiert, damit man die Performance schön miteinander vergleichen kann. Da aber leider nicht alle ETF die gleichen Laufzeiten haben, musste ich eben mehrere Grafiken machen um dem besser gerecht zu werden.

Dividenden sind bei diesem Vergleich übrigens miteinbezogen worden, damit auch wirklich die gesamte Performance miteinander verglichen wird. Steuerliche Effekte (Dividendenzahlungen werden sofort besteuert, während Kursgewinne bis zum Verkauf steuerfrei sind) wurden nicht berücksichtigt.

Fangen wir mit den Faktor ETF mit den am weitesten zurückreichenden Daten an:

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Growth ist insgesamt besser gelaufen als Value und Equal Weight, auch wenn es vor der Finanzkrise eine Abschnitt gibt, in dem Value leicht die Nase vorn hatte. Equal Weight konnte den S&P 500 ebenfalls outperformen, allerdings stürzte er durch die Übergewichtung kleinerer Unternehmen in der Finanzkrise auch etwas stärker ab.

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Auf den ersten Blick vielleicht etwas verwirrend aber wir können zusammenfassen: Es gibt Fonds, die haben praktisch genau wie der S&P 500 abgeschnitten, ein paar waren besser und ein paar waren schlechter.

Wenn wir den Mittelwert über alle Fonds hinweg nehmen, dann kommen wir ebenfalls auf eine Performance, welche der des Wald und Wiesen S&P 500 sehr sehr ähnlich ist.

Und was bedeutet das?

Bedeutet das jetzt, dass wir uns einfach einen Momentum ETF besorgen, ganz easy den Markt schlagen und ein paar Prozentpunkte mehr einfahren?

Nein so einfach ist es dann doch nicht.

Drei Gründe warum du die obige Untersuchung mit Vorsicht genießen solltest:

1. Der Zeitraum ist recht kurz
Diese börsengehandelten Produkte sind noch relativ frisch und die Fonds daher auch noch nicht besonders alt. Die meisten reichen kaum länger zurück als die letzten fünf Jahre und mal ganz ehrlich:

2. In den letzten Jahren an der Börse KEINEN Gewinn zu machen war quasi unmöglich.
Das gilt generell für die Zeit seit der letzten Finanzkrise. Im großen und ganzen geht es seitdem nur bergauf. Das heißt auch, wir wissen nicht, wie sich Smart Beta ETF bei mehreren Jahren dauernden Abschwüngen verhalten werden.

3. Das was gestern überlegen war ist morgen vielleicht schon unterdurchschnittlich
Nur weil Small Caps oder von mir aus Value-ETF in der letzten Zeit toll funktioniert haben, heißt das nicht automatisch, dass das auch in Zukunft so bleibt. Es gibt auch mehrere Jahre dauernde Perioden, in denen Megacaps besser als Small Caps gelaufen sind. Niemand weiß mit Gewissheit was als nächstes funktionieren wird.

Kontinuität ist King

Damit das Investieren an der Börse auch funktioniert brauchst du einen langen Atem und Konstanz. Es ist wichtig, dass du im Laufe der Zeit regelmäßig in dein Depot investierst, um einen ordentlichen durchschnittlichen Kaufpreis zu bekommen. Es ist also wichtig, dass du deinen ETF während deiner Ansparphase immer wieder nachkaufen kannst.

Bei Fonds mit großem Volumen ist das vermutlich kein Problem, denn diese sind für den Anbieter ein positives Geschäft.

Bei kleinen ETF hingegen besteht immer die latente Gefahr einer Schließung. Das ist erstmal nicht so wild, denn durch ihre rechtliche Konstruktion ist dein Vermögen geschützt. Alles was dann passiert ist, dass du ausbezahlt wirst und mit Cash auf deinem Verrechnungskonto dastehst.

Aber wie geht’s dann weiter?

Du kannst deinen alten Fonds nicht weiter besparen. Basierte dein ETF auf einem großen Allerweltsindex, dann suchst du dir einfach möglichst schnell einen anderen ETF auf den gleichen Index, packst da die ganze Kohle wieder rein und in Zukunft besparst du eben diesen.

Das funktioniert natürlich nicht so toll, wenn du einen speziellen Faktor ETF hattest und der geschlossene Fonds vielleicht der Einzige seiner Art war.

Dann wirst du einen Kompromiss machen und dir einen ähnlichen Index suchen müssen. Je nach Glück oder Pech bedeutet das aber einen Gewinn oder Verlust für dich. Das kann ganz schön deprimierend sein und auf die Sparmoral schlagen.

Meine Meinung dazu

Smart Beta ETF können natürlich auch mal besser als ein “dummer” Vergleichsindex abschneiden. Oft genug sind sie aber eben auch schlechter als dieser.

Hauptproblem sind meiner Ansicht nach die höheren Kosten und die oft deutlich geringeren Fondsvolumen als bei normalen ETF.

Daher sehe ich diese Art der börsengehandelten Fonds mehr als Befriedigung des Spieltriebs mancher Anleger. Für mein Depot sind die Teile allerdings keine Alternative, da bleib ich klassisch konservativ bei einem Weltportfolio mit faden Standard-ETF.

Die höheren Kosten für Faktor ETF rechtfertigen sich meiner Meinung nach einfach nicht.

Hast du Erfahrungen mit Smart Beta ETF? Und was hältst du jetzt von meiner Definition von ausreichend Diversifikation? Der Kommentarbereich wartet auf dich 🙂

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