Warum du wissen musst was Martingale ist (um kein Geld zu verlieren)

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Heute geht es um ein richtig spannendes Thema:

Das sogenannte Marginale-System oder auch einfach nur kurz Marginale. Vielleicht ist dir diese Strategie schon in ähnlicher Form oder unter anderem Namen untergekommen.

Im englischen kennt man es auch als “Doubling down” und es ist wohl das System welches die meisten Depots und Traderaccounts auf dem Gewissen hat.

Deswegen will ich dir unbedingt dazu etwas erzählen, weil ich glaube, dass es äußerst wichtig ist das dahinterstehende Prinzip zu verstehen, um im Leben ein paar Gelegenheiten auf die Nase zu fallen auszulassen.

Was ist das Martingalespiel überhaupt?

Es ist eine bestechend einfache Strategie für scheinbar sichere Gewinne.

Verdopple nach jedem verlorenen Spiel deinen Einsatz.

Folgendes denkbar einfaches Spiel:

Du wirfst mit mir eine faire Münze. Bei Zahl gewinnst du, bei Kopf verlierst du.

Stell dir weiterhin vor, du setzt einen Euro auf deinen Sieg. Unglücklicherweise kommt nun allerdings Kopf und du verlierst.

Kein Problem, in der zweiten Runde setzt du einfach 2 Euro. Beim zweiten Wurf erscheint nun tatsächlich Zahl und du gewinnst 2 Euro hinzu.

Unterm Strich gewinnst du also 1€ (2€ Gewinn aus dem zweiten Wurf – 1€ Verlust aus dem ersten Wurf).

Wir beide spielen jetzt noch einmal:

Wieder setzt du einen Euro beim ersten Wurf und wieder verlierst du den ersten Wurf.

Ganz martingalestyle verdoppelst du nach deinem Verlust deinen Einsatz auf zwei Euro. Aber diesmal verlierst du auch den zweiten Wurf. Beim dritten Wurf setzt du nun 4€ und siehe da:

Zahl erscheint und unterm Strich bist du wieder 1€ reicher (4€ Gewinn aus dem dritten Wurf – 2€ Verlust aus dem zweiten Wurf – 1€ Verlust aus dem ersten Wurf).

Wenn wir uns mal ein paar Verdoppelungen am Stück ansehen, dann ist unschwer zu erkennen, dass die notwendigen Einsätze um im Spiel zu bleiben exponentiell zunehmen:

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Wir erkennen aber auch:

Egal wie oft wir hintereinander verlieren, nach nur einem einzigen Gewinn zwischendurch liegen wir 1€ im Plus.

Wow.

Ist das nicht die perfekte Geldmaschine?

Nun, nein leider nicht.

Das Martingale-System ändert nichts an deinem Erwartungswert

Genau das ist der entscheidende Punkt:

Durch scheinbar geschicktes Setzen deiner Einsätze bzw. Investitionen kannst du den Erwartungswert eines Spiels nicht verändern, du kannst lediglich beeinflussen wie dieser zustande kommt.

Würden wir bei unserem Münzwurf immer den gleichen Einsatz spielen, ungeachtet einer Verlustserie, so werden wir im Durchschnitt weder Gewinn noch Verlust erzielen.

Denn der Erwartungswert ist und bleibt null:

0,5*1€ – 0,5*1€ = 0€

Bei einfachem Setzen (also immer 1€ pro Spiel, egal ob davor gewonnen oder verloren) werden die Gewinne und Verluste sich im Laufe der Zeit daher halbwegs die Waage halten. Sicherlich, zwischendurch liegt mal einer von uns beiden vorne bzw. der andere hinten aber wenn wir lang genug spielen wird keiner von uns beiden Geld gewinnen oder verlieren.

Bei einem Martingale tauschen wir hingegen einfach viele kleine Gewinne gegen einen großen Verlust. Wir nehmen das psychologisch als etwas anderes wahr, aber mathematisch hat das Spiel immer noch den gleichen Wert.

Das führt uns direkt zur nächsten Tücke des Martingale.

Es fühlt sich gut an

Unsere Natur ist, dass wir Stetigkeit und Kontinuierliches vorziehen. Wir wollen Sicherheit, denn diese lässt uns leichter planen. Wir lieben es zu wissen was auf uns zukommt!

Das ist beim Anlegen nicht anders. Am liebsten wäre es uns, immer zu wissen, wie viel Rendite wir für unser Geld bekommen und das diese Menge immer gleich bleibt.

Genau diese Schwäche nutzt das Martingalespiel:

Es verspricht uns regelmäßige, gleichmäßige ja praktisch planbare Gewinne. Also genau das was wir alle wollen.

Wir sind so versessen auf diese Planbarkeit, dass wir gern vergessen, dass da ein realer großer Verlust auf uns wartet. Dieser wird früher oder später uns alles wieder wegnehmen.

Es ist wichtig sich dieser angeborenen Schwäche bewusst zu sein und sich selbst zu bremsen.

Warum das Martingale die Basis vieler mieser Tradingcoaches ist

Natürlich gibt es für jede menschliche Schwäche ein paar fiese Charaktere, die daraus Profit schlagen und hier ist das nicht anders.

Quasi jeder selbsternannte Tradingcoach wird seine armen Opfer früher oder später auf das Verbilligen ansprechen und oft in einer derart aggressiven Art und Weise, das es einem Martingalesystem gleicht.

Ist ja auch klar:

Eine Zeit lang wird das Ganze auch gut gehen und der Kunde glaubt womöglich tatsächlich seinen finanziellen Heilsbringer gefunden zu haben.

Bamm, auf direktem Weg in Richtung finanzielle Freiheit!

Aber nach ein paar Monaten folgt das bittere Erwachen. Die Zahlen holen einen ein und man steht nicht besser da als am Anfang, natürlich abzüglich der Handelsgebühren und Kosten für einen ach so tollen Tradingcoach, der in Wahrheit nie etwas wert war.

Wie du ein Progressionssystem erkennst

Es ist zum Glück relativ einfach einen auf Martingale basierenden Beschiss zu identifizieren.

In den plattesten Worten ausgedrückt die mir gerade einfallen:

Wenn es zu gut aussieht um wahr zu sein, dann ist es vielleicht auch nicht wahr.

Ein Martingale erzeugt ein sehr charakteristisches Muster, wenn man die Entwicklung des Kapitals in Abhängigkeit der Trades/Investitionen/Spiele darstellt:

martingale-equity-payoff

Du siehst einen quasi linearen Anstieg, der durch die regelmäßigen kleinen Gewinn entsteht. Unterbrochen werden diese durch teilweise dramatische Ausreißer nach unten gefolgt von einer sofortigen Erholung. Das zusammen ergibt ein charakteristisches Sägezahnmuster, welches typisch ist für Systeme, die mit solchen Setzstrategien arbeiten.

Wenn dir so ein Muster bei der Geldanlage über den Weg läuft solltest du sehr sehr skeptisch werden!

Zu guter letzt kommt schließlich der unvermeidbar eine schwarze Ausreißer, der deine Gewinne wieder auffrisst.

Der Erwartungswert hat sich geholt was ihm zusteht. Vergiss nicht deine Transaktionskosten und Gebühren für einen Coach davon noch abzuziehen.

Autsch.

Das Anti-Martingale

Es gibt zu der bisher vorgestellten Variante eine spiegelbildliche Version. Bei dieser wird nicht nach jedem Verlust, sondern nach jedem Gewinn verdoppelt.

Hier werden viele kleine stetige Verluste gegen einen großen Gewinn getauscht.

Vom Erwartungswert unterscheidet sich diese Spielart nicht vom klassischen System. Naturgemäß ist es deutlich unpopulärer, wer möchte schon dauerhaft und stetig kleine Verluste erleiden, nur um auf den einen großen Gewinn zu warten?

Der Zusammenhang zwischen Chance, Risiko und risikolosem Zins erklärt durch Martingale

Ich kenne meine Leser, du tickst sehr wahrscheinlich genau wie ich und suchst bei Systemen die man dir vorsetzt nach Schwachstellen oder Verbesserungen.

Dir wird es vermutlich bei unserem Münzwurfbeispiel so oder ähnlich ergangen sein:

“Drei lausige Verdoppelungen? Ist ja klar, dass das so nichts wird. 10 oder besser 15 Verdoppelungen sollten es schon sein.”

Das stimmt natürlich, je größer unser Handelskapital, desto länger können wir auch durchhalten. Je mehr, desto besser natürlich.

Sieh es mal so:

Nach jedem gewonnenen Spiel stehen wir um 1€ besser da als zuvor.

Wenn es unser Plan war drei Verdoppelungen durchzuhalten dann betrug unser Kapital 7€.

Das heißt ein Euro Gewinn entspricht 1/7 oder 14,29%.

Allerdings ist es absehbar, dass wir sehr bald bankrott gehen, ich meine 4 Verluste am Stück kommen öfter mal vor.

Wenn wir also sagen, gut wir wollen z.B 10 Verluste am Stück verkraften können, dann müssen wir bereits 1024€ Kapital mitbringen.

Das bedeutet eine Rendite von: 1/1024 = 0,0098 oder 0,98%

Wir sehen, je länger und je sicherer wir im Spiel bleiben wollen, desto mehr Kapital müssen wir zur Verfügung haben.

Und diesen Zusammenhang hast du bestimmt schon einmal in einem anderen Kontext gehört:

Je höher die Rendite, desto höher das Risiko.

Alles klar? Auch das Martingale gehorcht dieser Regel.

Wirklich risikolos wäre es nur mit unendlich Kapital aber wozu dann überhaupt erst spielen?

Bei unendlich Kapital wäre die (risikolose) Rendite:

1€/∞ =0

Übrigens, falls du jetzt denkst 10 Verdoppelungen reichen, mit der Rendite wäre ich auch zufrieden:

10 Verluste am Stück kommen häufiger vor als man denkt. Ausgehend von einem Erwartungswert von null im Durchschnitt genau nach jedem 1024 Spiel.

Martingale im Casino

Vermutlich die Brutstätte dieser Strategie und auch naheliegendstes Einsatzgebiet. Roulette bietet sich beispielsweise an.

Klassisch sind die einfachen Chancen wie Rot – Schwarz oder Gerade -Ungerade.

Wie funktioniert die Martingaletaktik im Forex-Trading?

Aus irgendeinem Grund empfinde ich das ganze Forexgetrade als wenig seriös und mehr als Spekulation denn tatsächliche Investition. Es verwundert mich auch nicht, dass Progressionssysteme in diesem Kontext auch öfters Erwähnung finden.

Auch hier kann man einen “Münzwurf” konstruieren, indem man zum Beispiel gleiche weite Abstände nach oben und unten als Gewinn- oder Verlustmarken verwendet.

Mir wäre es neu, wenn im Forexbereich jemand damit reich geworden wäre. Wobei es mir generell etwas neues wäre, dass Leute mit Forex reich werden. Jaja, ich weiß George Soros aber sorry Alter: Du bist nicht George Soros.

Ok Forexgehate Ende 😉

Was ist der Unterschied zwischen Nachkaufen und der Martingalestrategie?

Hier wird es langsam etwas knifflig, denn strenggenommen ist das Martingale nichts anderes als eine besonders aggressive Form des Nachkaufens und damit bucklig verwandt mit dem Cost-Average Effekt, von dem ich ja ein großer Befürworter bin.

Der Unterschied zwischen Roulette/Münzwurf und Aktienmarkt besteht darin, dass Kurse nicht beliebig tief fallen können. Bei Null ist Schluss.

Damit ist aber ab einem gewissen Stand die Wahrscheinlichkeit eines Anstiegs deutlich größer als eines weiteren Abfallens.

Stell dir vor, der DAX läge bei 1.000 Punkten, ist es wahrscheinlicher, dass er auf 0 fällt oder wieder auf 2.000 steigt?

Dieser Punkt mag manchem vielleicht sehr theoretisch erscheinen aber mir ist es wichtig sich auch selbstkritisch mit den eigenen Überzeugungen auseinandersetzen.

Ja, Martingale ist vom theoretischen Unterbau verwandt mit dem Cost-Average Effekt aber nein das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass jener auch ein so unseriöser Zeitgenosse ist.

Stell dir die beiden vielleicht am besten als Dr. Jekyll und Mr. Hyde vor.

Martingale, D’Alambert, Montante Hollandaise und Co.

Das Martingale ist das Paradebeispiel einer ganzen Klasse von Setzsystemen. Allen gemein ist, dass nach einem Verlust (oder eben auch Gewinn) die Einsätze erhöht werden.

Kurzfristig wird man so zwar Verluste vermeiden, langfristig sind sie aber alle zum Scheitern verurteilt.

Um dir einen Überblick über die wichtigsten Systeme zu geben habe ich dir eine kurze Liste zusammengestellt:

Martingale: Nach jedem Verlust wird der Einsatz verdoppelt.

Progression D’Alambert: Begonnen wird mit einer Einheit. Der Einsatz wird nach jedem Verlust um eine Einheit erhöht und nach jedem Gewinn um eine Einheit reduziert, bis du wieder bei einer Einheit angekommen bist.

Montante Hollandaise: Begonnen wird mit einer Einheit. Bei Verlust wird die Anzahl der gesetzten Einheiten notiert. So kommt es zu einer Folge von aufgeschriebenen Zahlen. Bei Gewinn wird die letzte noch nicht durchgestrichene Zahl links gestrichen, bei Verlust wird wieder die Anzahl der gesetzten Einheiten notiert. Gesetzt wird immer eine Einheit mehr als die letzte nicht durchgestrichene Zahl links.

Montante Americaine: Man schreibt sich eine Folge von Zahlen auf z.B. 1-2-3-4. Gesetzt werden immer die äußersten beiden Zahlen als Summe, hier also 5. Bei Gewinn werden diese angestrichen also 1-2-3-4. Bei Verlust wird die Summe hingegen als neue Zahl rechts notiert, also beispielsweise erstes Spiel verloren 1-2-3-4-5.

Achtung: So clever diese Systeme auch aussehen mögen, alle verändern nicht deinen Erwartungswert!

Du kannst wie so oft gesagt eine Zeit lang vor ihm davon laufen aber er holt dich auf jeden Fall ein. Da hilft dir auch kein cleveres Setzen von Geld.

Ok und was hat das alles mit meiner finanziellen Unabhängigkeit zu tun?

Du fragst dich jetzt vielleicht, was das alles mit dir und deinem Weg zur finanziellen Selbstständigkeit zu tun hat.

Nun, ich glaube der Beitrag kann dir auf dreierlei Art weiterhelfen:

1. Du kennst jetzt einen der klassischen Fallstricke, die uns ein Leben lang von Zeit zu Zeit begegnen. Auch wenn sie noch so verlockend aussehen kann es teuer sein über sie zu stolpern. Klingt komisch, ist aber so.

2. Es ist meine Überzeugung, dass das Leben etwas probabilistisches ist, will sagen Wahrscheinlichkeiten sind etwas sehr elementares in unser aller Dasein. Auch wenn wir mit der Beschäftigung mit dem Martingale kein Kapital schlagen können, es hilft uns unser Denken in diese Richtung zu schulen und das wird irgendwann im Leben, sei es beim Investieren oder im Job, von Nutzen sein.

3. Du hast eine neue Perspektive auf risikolose Zinsen gewonnen. Wenn du diese auf Zinsen auf Bankkonten anwendest, was denkst du jetzt?

4. Wir erkennen, dass es auf den Finanzmärkten keine Abkürzung Richtung Reichtum gibt. Wir können unseren Erwartungswert nicht durch geschicktes Setzen von Kapital beeinflussen, er bleibt unverändert.

Reich wird man durch Arbeit und Konsistenz.

Diese vier Argumente und Ansichten helfen dir dich im Finanzgewirr etwas besser zurecht zu finden und damit ein besserer Investor zu werden.

Das ist der Nutzen dieses Beitrags für dich 🙂

Zusammenfassung

Das war wieder ein etwas längerer Artikel, ich hoffe du hast trotz des vielleicht etwas trockenen Hintergrunds durchgehalten, denn unter Garantie wird dir irgendwann im Leben in der ein oder anderen Form ein Martingale unterkommen und es kann teuer sein dessen Fallstricke und Natur nicht zu kennen.

Sei es, weil man sich selbsternannten Tradinggurus verführen hat lassen, man an der Börse blind verbilligt oder aus sonstigen Gründen die Macht der Zahlen unterschätzt.

Vergiss nicht: Wahrscheinlichkeiten und Erwartungswerte kann man auf Dauer nicht austricksen, früher oder später bekommen wir immer das was uns zusteht, ob wir wollen oder nicht.

Jetzt bist du dran: Hast du von Martingalesystemen davor schon einmal etwas gehört? Hast du es vielleicht sogar einmal (unbewusst) gespielt? Jeder Kommentar wird beantwortet 🙂

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