Wie sinnvoll sind Garantiefonds und Garantiezertifikate?

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Garantiefonds klingen zu gut um wahr zu sein:

Wenn der Markt steigt dann gewinnst du und wenn der Markt fällt, erhältst du einfach dein Kapital vollständig zurück.

Klingt nach einem No-Brainer nicht wahr?

Genau das versprechen die Produkte einiger Banken und Fondsgesellschaften. Aber mal unter uns: Wenn eine Bank mir etwas als No-Brainer verkaufen will, dann bin ich schon einmal von Haus aus besonders skeptisch.

Doch seien wir mal nicht so voreilig und sehen uns genauer an was die Dinger so draufhaben und ob sie auch etwas für uns passive Investoren sind.

Was ist ein Garantiefonds und wie funktioniert er?

Ein Garantiefonds lässt sich ganz normal kaufen und verkaufen, wie jeder andere Fonds auch. In der Regel hat so ein Fonds eine bestimmte Laufzeit. Der Einfachheit halber nehmen wir mal grundsätzlich ein Jahr an. Sprich du investierst dein Geld heute und in einem Jahr hat sich deine Investition entweder positiv entwickelt oder du kriegst wenigstens dein Geld zurück.

Das könnte dann zum Beispiel so aussehen:

Auszahlung eines Garantiefonds

Wie geht das wirst du dich vielleicht fragen. Der Trick ist relativ simpel. Der weitaus größte Teil von deinem Geld wird in ein festverzinsliches Wertpapier angelegt, wie beispielsweise eine Anleihe. In dieses Wertpapier legt die Bank oder Fondsgesellschaft jetzt genau so viel Geld an, wie notwendig ist damit daraus in einem Jahr auf jeden Fall wieder dein ursprüngliches Kapital geworden ist.

Nehmen wir einmal an, du möchtest 100€ in ein Garantieprodukt anlegen und dem Emittenten steht eine festverzinsliche Anlage zur Verfügung, die 5% p.a. abwirft. Es müssten dann 100€/1,05 = ca. 95,24€ in diese Anlage gesteckt werden, damit nach einem Jahr wieder 100€ daraus geworden sind.

Es bleiben am Anfang also 4,76€ übrig. Die werden jetzt dazu hergenommen, um beispielsweise eine Call-Option auf den DAX zu kaufen. Da in der Regel nicht genug Geld übrig bleibt um ausreichend viele Optionen zu kaufen, partizipierst du nicht 1:1 von dessen Entwicklung. So könnte es so sein, dass der DAX um 100 Punkte steigt, dein Produkt aber lediglich im Gegenwert von 60 Punkten. In der obigen Grafik siehst du, dass das Garantieprodukt bei einem Anstieg des DAX weniger stark mitsteigt.

Hier nochmal eine kleine grafische Zusammenfassung für unser Zahlenbeispiel:

Beispiel für einen Garantiefonds

Ich möchte hier kurz erwähnen, dass es sich hier um ein stellvertretendes Beispiel für einen typischen Aufbau handelt. Strukturierte Produkte können so individuell gestaltet werden, dass fast alles möglich ist. Aber im Grunde ist es meist das Gleiche: Der Großteil in eine Anleihe und der Rest in ein Derivat oder in Aktien. Meist aber ein Derivat.

Während der Laufzeit kann es im Übrigen durchaus sein, dass der Fonds ins Minus rutscht. Das liegt daran, dass er auf die Zinsen angewiesen ist um eventuelle Verluste auszugleichen. Da die Zinsen erst nach einem Jahr vollständig beim Fonds angekommen sind gilt die Garantie für das Kapital auch nur zum Ende der Laufzeit.

Wenn du in der Zwischenzeit also verkaufst, dann kannst du auch mit weniger als deinem Einsatz dastehen.

Achja, achte darauf, dass dein Fonds zum Ende der Laufzeit nicht automatisch in einen Neuen überführt wird. Verbraucherschützer haben das unter anderem heftig kritisiert, da hier jedes Mal neuerliche Kosten auf dich zu kommen können. Dazu später noch mehr.

Garantieprodukte selber bauen

Wie wir gesehen haben sind Garantieprodukte gar nicht so magisch wie sie vielleicht beworben werden, sondern setzen sich recht banal aus einer Anleihe und einem Derivat zusammen. Theoretisch könnte man das auch selbst tun, es ist kein Problem heutzutage einen Broker zu finden der einen Optionen handeln lässt. Und eine Anleihe kann man sich auch überall besorgen lassen.

Wenn das nicht so schwer ist, da stellt sich mir doch die Frage: Wozu brauch ich dann die Fondsgesellschaft/Bank noch? Eliminate the Middleman, dann kriegst du auch bessere Preise. So einfach ist das. Ob es sinnvoll ist, das steht auf einem anderen Blatt Papier. Ich rate davon ab.

Warum Geld zurück in einem Jahr einen Verlust bedeutet

Es klingt ja praktisch nach der perfekten Geldanlage: im besten Fall Gewinn erwirtschaften und im schlechtesten Fall gibt es das Geld nach einem Jahr oder welchem vereinbarten Zeitraum auch immer zurück.

Du darfst aber dabei nicht übersehen, dass das Zurückbekommen des exakt eingesetzten Kapitals in der Zukunft einem Verlust gleicht. Denn wie wir wissen ist ein Euro in der Zukunft weniger wert als ein Euro heute. Das liegt an zwei Gründen:

  1. Inflation

Während der Laufzeit des Fonds wird die Inflation sich nicht aufhalten lassen und weiter still aber beständig an Guthaben nagen. Wenn du zum Beispiel 1000€ heute in ein Garantieprodukt investierst und die Kurse an den Märkten stürzen sich während der Laufzeit Richtung Süden, dann erhältst du zumindest dein Kapital zurück. Das klingt erst einmal gut, denn schließlich machst du nicht die ganze Talfahrt mit und deine 1000€ kommen wieder. Jetzt kommt’s aber: Diese 1000€ in einem Jahr sind nicht mehr 1000€ wert, sondern bei beispielhaften 2% Inflation nur noch 980€. Diesem Verlust kannst du also auch mit Garantiefonds nicht ausweichen.

  1. Opportunitätskosten

Wir rufen uns den groben Aufbau eines Garantieprodukts noch einmal in den Kopf: Der Großteil wird in ein festverzinsliches Wertpapier gesteckt und zwar genau so viel, das am Ende mit den Zinsen wieder dein ursprünglicher Einsatz herauskommt. Der Rest wird meist ein Derivat investiert, welches für die Renditechancen sorgen soll. Geht jetzt der Markt nach unten dann gleichen die Zinsen aus dieser Anlage deinen Verlust aus.

Aber weißt du was? Du hättest auch einfach dein ganzes Geld in diese Anleihe stecken können und hättest das Jahr mit einem Zinsgewinn beendet. Das wäre deine Alternative gewesen. Du tauscht eine Möglichkeit gegen eine andere ein und da solltest du dich immer fragen: Will ich das überhaupt?

Garantieprodukte sind richtig teuer

Wenn man sich mal die Gebühren und Kosten für einzelne Garantieprodukte durchliest, dann kommt man schnell ins Schwitzen:

Garantiefonds Kosten

Das ist ja mal eine Ansage. Ich weiß gar nicht wo ich da anfangen soll. Ich denke wir müssen uns da nicht groß unterhalten aber das Teil ist definitiv teuer!

Ausgabeaufschlag, geschenkt, so ist das eben wenn man einen aktiv gemanagten Fonds möchte. Restrukturierungsgebühr ist auch geschenkt, die fällt in dem Beispiel oben erst wieder in 2020 an.

Aber 0,71% p.a laufende Kosten sind in meinen Augen ein Anachronismus aus düstersten Börsenjahren, als es wirklich noch keinen Marktzugang an jedem Computer beziehungsweise Handy gab.

Das ist einfach nicht mehr Stand der Dinge. Fertig. Wenn ich mein Geld zu 90% in planbare, festverzinsliche Anleihen investieren möchte, dann hol ich mir einen entsprechenden Staatsanleihen ETF oder von mir aus auch einen ETF mit Unternehmensanleihen ins Depot. Die gibt es ab 0,16% p.a. und weniger.

Wir halten also fest: Garantiert ist nicht nur das eingesetzte Kapital, sondern auch die hohen Kosten.

Garantiefonds sind nicht so sicher wie du vielleicht glaubst

Wie wir weiter oben schon gesehen haben wird ein Großteil deines Einsatzes in ein festverzinsliches Wertpapier, oftmals eine sogenannte Nullkuponanleihe oder auch Zerobond investiert. Um welche Wertpapiere es sich im Einzelnen handelt ist oftmals nicht ersichtlich, vermutlich sind es im derzeitigen Zinsumfeld Unternehmensanleihen um überhaupt noch etwas Spielraum zu gewinnen.

Wie wir wissen sind heutzutage nicht mal mehr Staaten absolut sicher. Umso mehr gilt das für Unternehmen. Vor allem für Unternehmen die heute noch nennenswerten Zins bezahlen müssen, um sich zu finanzieren.

Im Schluss bedeutet dies, ein Garantiefonds ist nur so sicher wie die Anlage in welche der Löwenanteil des Geldes gesteckt wird. Wenn das nun beispielsweise ein Unternehmen mit einem B- Rating ist, dann trägst du auch das entsprechende Risiko. Verständlicherweise wird man von Seiten der Fondsanbieter da nicht so mit der Nase darauf gestoßen.

Ich möchte auch gar nicht sagen, dass alle Garantieprodukte per se an die Wand fahren werden aber es ist auf jeden Fall nicht unmöglich und das wird dir gern verschwiegen. Renditechancen ohne ein Risiko gibt es nun einmal einfach nicht.

Der Unterschied zwischen einem Garantiefonds und einem Garantiezertifikat

Der Unterschied zwischen einem Fonds und einem Zertifikat den ich hier erkläre beschränkt sich nicht nur auf Garantieprodukte, sondern auf jegliche Art von Finanzvehikel.

Ein Fonds ist ein Sondervermögen, an dem du einen Anteil erwirbst. Dieses Sondervermögen ist strikt von dem Vermögen der Fondsgesellschaft zu trennen. Das da alles seine Richtigkeit hat wird auch regelmäßig überprüft und so taucht das Sondervermögen auch nicht beim Fondsbetreiber in der Bilanz auf.

Daher ist im Falle einer Insolvenz das Sondervermögen auch nicht betroffen, sprich auch wenn der Anbieter über den Jordan geht, das Vermögen bleibt.

Anders hingegen ist es bei einem Zertifikat. Wenn du ein Garantiezertifikat bei einer Bank deines Misstrauens erwirbst, dann leihst du ihr rechtlich gesehen dein Geld. In letzter Konsequenz bedeutet das, wenn die Bank während der Laufzeit pleitegeht, dann musst du zumindest um einen Teil deines Geldes bangen.

Wenn du also schon unbedingt dir ein so sauteures Produkt ins Depot legen willst, dann würde ich mich zumindest an Fonds halten. Denn wozu ein weiteres Risiko eingehen indem man auf das Überleben der emittierenden Bank vertraut?

Vorteile und Nachteile von Garantiefonds

+ verhältnismäßig sichere Anlagen

– sehr teuer

– relativ intransparent

– können selbst nachgebaut werden

– nicht vollkommen risikolos wie gerne suggeriert

Fazit

Garantiefonds sprechen die Verlustaversion in uns Anlegern an. Nichts riskieren und unter Umständen etwas gewinnen? Das klingt genau nach dem was ich will!

Allerdings ist es wie so oft im Leben: Wenn etwas zu gut ist um wahr zu sein, dann ist es wahrscheinlich auch nicht wahr. Das trifft auch auf Garantieprodukte zu. Denn die Risiken sind vielleicht überschaubar aber existent und kommen hier durch die Hintertür.

Durch das Partizipationsverhältnis welches meist kleiner als 1 ist, nimmst du nicht 1:1 an der Marktentwicklung teil. Du bist zwar nicht bei den Abstürzen aber auch nicht bei den rasanten Aufstiegen zur Gänze dabei.

Weiterhin haben diese Produkte sehr hohe laufende, sowie einmalige Kosten die du erstmal erwirtschaften musst. Mit teilweise mehr als 1% p.a. Gegenwind segelt es sich einfach nicht besonders entspannt über das Börsenmeer. Besonders bei Produkten mit von Haus aus beschränkten Renditemöglichkeiten.

Aus all diesen Gründen halte ich Garantiefonds für ungeeignet um finanzielle Freiheit zu erreichen.

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