Börsenpsychologie: 5 Dinge, die du wissen MUSST

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Kommt dir der folgende Spruch bekannt vor?

“Alles Kopfsache.”

Auf nichts trifft er so sehr zu wie auf die Börse. Börsenpsychologie ist die vielleicht am meisten unterschätzte Disziplin in den Finanzwissenschaften und doch ist sie meiner Meinung nach die Wichtigste. Denn erst mit dem richtigen Mindsetting und Wissen über dich selbst und deine angeborenen Schwächen kannst du mit Aktien langfristig Erfolg haben.

Was ist die Prospect Theory in der Börsenpsychologie?

Machen wir ein kleines Experiment:

  1. Du hast 50.000€ und investierst das Geld in ein Portfolio. Du hattest dabei ein unglaubliches Glück und nach drei Monaten hast du einen fetten Gewinn von 40.000€ eingefahren. Daher stehst du nun insgesamt bei 90.000€. Allerdings bist du dir unsicher, was du jetzt am besten tun solltest, denn viele Analysten glauben, der Markt werde weiterhin sehr volatil bleiben. Solltest du jetzt verkaufen oder weiter investiert bleiben? Wie entscheidest du dich?
  2. Genau wie vorhin hast du 50.000€ und investierst in genau das gleiche Portfolio. Nur dieses Mal hast du wirklich unglaubliches Pech und hast in nur 3 Monaten 40.000€ verloren. Damit sind von deinem ursprünglichen Vermögen nur noch 10.000€ übrig und Experten behaupten, der Markt wird auch weiterhin sehr volatil sein. Solltest du jetzt verkaufen oder aufs Ganze gehen und investiert bleiben, weil der Markt sich sicherlich erholen wird? Wie entscheidest du dich?

Wie hast du dich in den jeweiligen Situationen entschieden? Wenn du dich im ersten Szenario dafür entschieden hast, deinen Gewinn mitzunehmen und im zweiten Szenario aufs Ganze zu gehen und investiert zu bleiben, dann gehörst du zur Mehrheit der Anleger.

Das Problem hierbei ist: Das ist nicht rational.

Es macht nur Sinn, sich in beiden Situationen jeweils gleich zu verhalten, denn logisch gesehen, ist zwischen den beiden Fällen kein Unterschied. Der Mensch tendiert aber dazu, Gewinne mental anders zu bewerten als Verluste.

Das liegt in unserer Natur. Wenn wir etwas gewinnen, dann haben wir sofort Angst, es könnte uns wieder weggenommen werden (böse Zungen nennen so etwas auch Erwachsen werden), wohingegen wir die Hoffnung haben, unsere Verluste doch noch wieder irgendwie wettzumachen, wenn wir etwas verlieren.

In anderen Worten, sind wir risikoavers wenn wir im Plus stehen und werden risikofreudig wenn ein Verlust zu Buche steht. Das ist allerdings, wie gesagt, logisch absolut nicht konsistent. Denn eigentlich sollte man unabhängig von Buchgewinnen/-Verlusten an seiner Risikoeinstellung festhalten.

Es ist auch empirisch belegt, dass Anleger Gewinne eher realisieren als Verluste. Schlicht und einfach, weil der Mensch sie emotional anders bewertet. Um rational zu handeln, darf es für dich keinen Unterschied machen, ob du gerade einen Gewinn oder Verlust erfahren hast. Deine Entscheidung muss stets konsistent sein. Doch das ist sie selten.

In der Börsenpsychologie wird dieses Phänomen mit der Prospect Theory, zu Deutsch also in etwa Erwartungstheorie, erklärt. Entdeckt haben sie die Psychologen Kahneman und Tversky, wofür es auch gleich mal den Nobelpreis gab. Ich möchte hier ergänzend erwähnen, dass es sich oben natürlich nur um ein reduziertes Beispiel ohne Wahrscheinlichkeiten dieser Theorie handelt.

Schlussfolgerung 1: Nur Anleger, welche rational handeln, werden langfristig Erfolg haben.

Warum es dir egal sein sollte, ob du Gewinn oder Verlust machst.

hamock photoWir wissen jetzt also schon einmal, dass wir uns nicht von Emotionen leiten lassen sollen und unsere Entscheidungen konsistent fällen müssen. Was sollen wir also tun? Die Antwort ist einfach:

Nichts!

Ganz recht, nichts. Wenn du ein marktbreites und sauber diversifiziertes Portfolio hast, dann ist es ganz egal, ob du Gewinn oder Verlust gemacht hast. Das Beste, was du tun kannst, ist nichts. Furchtbar bequem, oder?

Lass mich das erklären: Diese ganze Gewinnmitnahme und Verlustbegrenzung ist im Grunde, für sich betrachtet, nichts anderes als Markettiming. Du sollst allerdings  den Markt nicht timen (11. Gebot), denn das wird dir langfristig nichts bringen. Das Gebot ist im Übrigen nicht von mir, sondern entstammt wissenschaftlichen Untersuchungen. Und da kann man einfach keinen Vorteil durch Timingversuche erkennen.

Schlussfolgerung 2: Markettiming ist sinnlos und mündet sehr wahrscheinlich in einer Underperfomance. Kein Markettiming.

Das heißt, wir wissen dank der Börsenpsychologie und Wissenschaft nun, dass wir uns konsistent verhalten müssen und nicht den Markt timen dürfen. Was sollen wir also dann tun? Nun, ich kann dir erklären, wie ich das mache:

Was ich tue

Mit dem, was ich über die Börse und Wirtschaft weiß, habe ich mir einen einfach Plan zurecht geschmiedet:

Über einen Zeitraum von 20-30 Jahren investiere ich monatlich einen fixen Betrag in ein Portfolio, welches dem Stand der Wissenschaft Rechnung trägt. Also das Übliche: Diversifikation, niedrige Kosten, marktbreit, und so weiter. In dieses Portfolio wird stur eingezahlt, egal, ob es an der Börse gerade stürmt, oder die Sonne scheint. Das wird eiskalt durchgezogen. Monat für Monat. Jahr für Jahr. Und in der Vergangenheit war das der Plan, welcher stets funktioniert hätte. Das ist aus börsenpsychologischer Sicht schon mal ein Vorteil, weil es einen trotz fraglicher Aussagekraft beruhigt. So ist der Mensch nun einmal gebaut und verlässt sich gerne auf Dinge, die in der Vergangenheit gut funktioniert haben.

Dieses Vorgehen macht durchaus Sinn: Bei längeren Anlagezeiträumen kommt bei einem konstanten, regelmäßigen Anlagebetrag weiterhin der Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average) zum Zuge. Das bedeutet nichts anderes, als dass man bei sturem, regelmäßigen Kaufen einmal kauft, wenn die Kurse hoch sind, und einmal, wenn die Kurse am Boden sind.

Im Durchschnitt hat man dann einen Preis erzielt, der irgendwo dazwischen liegt. Das Schöne hierbei ist, dass man bei einem konstanten Betrag bei hohen Kursen automatisch weniger Anteile kauft und bei niedrigen Kursen automatisch mehr. Zum Cost-Averaging werde ich nochmal einen ausführlichen Extraartikel schreiben. Wenn du dich für den Newsletter anmeldest, bekommst du dann automatisch per Mail Bescheid. 😉

Natürlich kann man von der Vergangenheit nicht unbedingt auf die Zukunft schließen, aber ich bin mehr als zuversichtlich, dass dieser Plan für mich funktionieren wird. Wenn die Wissenschaft und insbesondere Börsenpsychologen es mir raten und alle Fakten dafür sprechen, wer bin ich, dass ich es besser weiß?

Schlussfolgerung 3: Habe über 20-30 Jahre Disziplin und lege regelmäßig an, um den Cost-Average-Effekt für dich zu nutzen!

Warum es an der Börse gut ist durchschnittlich zu sein

target archery photoEs liegt in der Natur des Menschen besser sein zu wollen als andere. Wir haben die unangenehme Eigenschaft uns gern im Kontext von Mitmenschen zu beurteilen und uns selber zu bewerten. Was evolutionär für die Menschheit und damit im Alltag auch oft von Vorteil ist, kann an der Börse schnell nach hinten losgehen.

Sieh es lieber so:

Langfristig steigen die Börsen um sagen wir mal 8% pro Jahr. Das ist der Durchschnitt. Und wie bei jedem Durchschnitt muss es Leute geben, die darüber gelegen haben, und Anleger, welche daruntergelegen haben.

Natürlich wären wir alle gern überdurchschnittlich. Vielleicht gelingt uns das auch einmal. Aber hier kommt wieder die Wissenschaft mit ihren empirischen Untersuchungen ins Spiel und sagt uns: Langfristig bleibt keiner überdurchschnittlich. Investoren, die dieses Jahr überdurchschnittlich waren und nächstes Jahr unterdurchschnittlich sind, sind im Schnitt auch nur Durchschnitt.

Allerdings haben sie diesen Durchschnitt mit weniger Konstanz erzielt, als ein Investor, welcher langweilig Jahr für Jahr einfach nur mittels ETF versucht hat, den Marktdurchschnitt zu erzielen.

Schlussfolgerung 4: An der Börse ist es gut, von Anfang an durchschnittlich zu sein, denn langfristig sind wir es sowieso alle.

Sofort-Tipp: Avoid News!

Soll ich dir ein Geheimnis verraten?

Ich weiß praktisch nie ganz genau, wie viel mein Portfolio gerade wert ist.

Weil ich unverantwortlich bin? Weil ich verrückt bin? Nein, weil es faktisch sinnlos ist auf Heller und Pfennig zu wissen, was dein Depot wert ist und aus Sicht der Börsenpsychologie unter anderem auch Irrsinn ist.

Warum sollte ich also tagein tagaus in mein Depot reinblicken? Wird die Performance dadurch besser? Wenn es doch nur so einfach wäre.

Was bringt mir die Information, dass die Aktien heute 2% höher stehen und gestern 3% niedriger? Oder, dass ich heute x€ gewonnen und gestern y€ verloren habe? Einfach gar nichts! Mich interessiert nicht die tägliche Entwicklung, sondern wie es in ferner Zukunft aussieht. Denn auf Tagesbasis ist die Börse schlicht unberechenbar. Auch das ist nicht meine Meinung, sondern Stand der Wissenschaft.

Warum soll ich es mir dann antun und mich täglich mit unnötigen Informationen belasten? Warum muss eigentlich überall im Internet der Stand des DAX rumtickern? Das macht die Leute doch wahnsinnig und wahrscheinlich hegen auch deswegen so viele Menschen eine gewisse Abneigung gegen die Börse.

Ich versuche mich daher so wenig wie möglich darum zu kümmern, was in den Medien zur Börse steht, weil es zweckloser Informationsoverload ist, den ich nicht haben will und auch nicht brauche. Der Finanzwesir hat hierzu auch einen guten Artikel geschrieben: Lesen sich noch Investmentpornos?

Schlussfolgerung 5: Lass dich von den täglichen “News” nicht verrückt machen, sagt die Börsenpsychologie.

 Zusammenfassung

Ich selbst bin für mich hinsichtlich des Punktes Börsenpsychologie also zu den folgenden Schlussfolgerungen gekommen, welche ich hier für den eiligen Leser nochmal zusammenfasse:

  1. Nur Anleger, welche rational handeln, werden langfristig Erfolg haben.
  2. Markettiming ist sinnlos und mündet sehr wahrscheinlich in einer Underperfomance. Kein Markettiming.
  3. Habe über 20-30 Jahre Disziplin und lege regelmäßig an, um den Cost-Average-Effekt zu nutzen!
  4. An der Börse ist es gut, von Anfang an durchschnittlich zu sein, denn langfristig sind wir es sowieso alle.
  5. Lass dich von den täglichen “News” nicht verrückt machen, sagt die Börsenpsychologie.

Das sind meine Grundsätze, welche ich stets versuche nicht auf meinen persönlichen Neigungen zu gründen, sondern dem, was die Wissenschaft herausgefunden hat. Diese ist sicher nicht unfehlbar, aber sie ist das Beste, was wir haben und es macht daher Sinn, sein Anlegerverhalten danach auszurichten.

Auch wenn wir alle etwas Zeit brauchen, bis wir das verinnerlicht haben.

Wie siehst du das? Ist Börse wirklich vor allem Kopfsache? Sag mir deine Meinung in einem Kommentar!

Fotos: Mario Pleitez NJ Tech Teacher

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