Geldanlage für Kinder: 14 Tipps wie du den Nachwuchs absicherst

Heute geht es um eine sehr häufig auftauchende Finanzfrage:

Welche Geldanlage für Kinder taugt am meisten?

Damit meine ich aber nicht, welches Konto eignet sich am besten für den Nachwuchs, um den Umgang mit Geld zu erlernen, sondern vielmehr wie man für die nächste Generation einen soliden finanziellen Grundstock aufbaut und in das Leben mitgibt.

Ein Anlageziel festlegen

Kein Schlachtplan ist vollständig ohne konkretes Ziel.

Das wussten schon die alten Römer und bei der Geldanlage für Kinder ist das nicht anders.

Mit konkret meine ich aber nicht unbedingt nur eine fixe Zahl sondern viel wichtiger noch einen Zweck.

Blind drauf lossparen ist nicht gut für die Motivation unterwegs auch mal in schwierigen Zeiten durchzuhalten.

Ich will dir natürlich auch ein paar Anregungen geben und das hier wäre nicht Homemade Finance, wenn ich dir nicht auch ungefähre Beträge (über deren Höhe sich sicher trefflich streiten lässt -> Kommentare) zur Orientierung auflisten würde. Dabei gehe ich unter anderem von durchgehenden 5% Nettoverzinsung p.a. aus.

Mein Kind soll im Alter nicht/nicht nur auf die gesetzliche Rente angewiesen sein:

 

360.000€

= (12 * 1.500€ monatliche Lebenshaltungskosten als Erwachsener)/0,05

Finanzierung des Führerscheins und des ersten (gebrauchten) Autos:

 

7.000€

= 1.200€ Führerschein + 4.800€ ordentlicher Gebrauchter + 1.000€ Rücklage für die ersten Reparaturen

Finanzierung des Studiums. Damit tust du deinem Kind eigentlich einen doppelten Gefallen, weil du in die rentabelste Anlage der Welt investierst: Bildung

 

60.000€

= 60 Monate (=5 Jahre oder 10 Semester) * 1.000€ monatliche Lebenshaltungskosten als Student

Einfach eine eiserne Reserve für die schwierigen Zeiten im Leben selbst:

 

18.000€

= 12 * monatliche Lebenshaltungskosten von 1.500€ als Erwachsener

Diese Liste ist sicherlich nicht vollständig aber gibt dir vielleicht ja ein paar Anstöße. Was wäre deiner Meinung nach noch ein erwähnenswertes Ziel?

Zeit ist alles

Der am meisten unterschätzte Faktor beim Investieren ist die Zeit. Alle Welt schielt als erstes auf die Höhe der möglichen Rendite aber fast niemand schenkt der Zeit große Beachtung.

Dabei ist sie für jeden Anleger mit Abstand der mächtigste Verbündete!

Je nach dem welches Ziel du für deinen Spross verfolgst und wann du damit beginnst auf dieses Ziel hinzuarbeiten, kommen schnell 20, 30 oder sogar mehr Jahre zusammen.

Das Gute ist:

Je länger der Anlagezeitraum, desto höher ist auch die erzielbare Rendite, denn bei solchen Zeiträumen kannst du riskantere aber auch renditeträchtigere Anlagen wie Aktien/ETF in Betracht ziehen. Denn mit genügend Zeit im Rücken lässt sich dann auch die nächste Krise (die Frage ist wann und nicht ob, das war schon immer so. Aber das nur am Rande) durchstehen.

Wahrscheinlich hast du so eine Grafik in der einen oder anderen Form schon einmal gesehen aber ich finde Bilder sagen mehr als 1000 Worte deswegen benutze ich sie gerade im Kontext des Zinseszinses immer wieder gern:

geldanlage fuer kinder

In diesem Beispiel haben wir angenommen:

Monatliche Sparrate: 250€ pro Monat bzw. 3.000€ pro Jahr (es wird einmal gebündelt am Jahresende investiert)

 

Mögliche Nettorendite: 5%

 

Anlagezeitraum: 40 Jahre

 

Endvermögen: 362.399€

Wenig Einsatz also aber ein großes Ergebnis.

Achte stets auf die Kosten!

Wie auch der Finanzwesir schon mal gesagt hat: Kosten sind beim Investieren praktisch das einzige was wir selbst so wirklich in der Hand haben. Und diese sollten, ganz simpel, so niedrig wie möglich sein.

Nehmen wir noch einmal obiges Rechenbeispiel. Aber diesmal rechnen wir nicht mit 5% Nettorendite, sondern mit 4%, weil beispielsweise kein günstiger ETF, sondern ein teurer aktiv gemanagter Fonds zur Anlage verwendet wird.

Das ergibt am Ende eine Differenz von sage und schreibe 77.322€ zu unserem Szenario mit 5% weiter oben. Ganz recht.

Also Augen auf bei möglichen Kosten, denn über lange Zeiträume macht Kleinvieh wahrlich einen großen Haufen Mist.

Weitere Kostenfallen können sein:

  1. Gebühr für Depotführung
  2. Zu hohe Ordergebühren
  3. Gebühren für die Gutschrift von Dividenden

Frag nicht den Bänker deines Vertrauens, sondern kümmere dich selbst!

Dieser Punkt ist eigentlich gleich dem Punkt über Kosten niedrig halten.

Ich würde davon abraten in einer örtlichen Filialbank sich nach Anlagemöglichkeiten für dein Kind zu erkundigen. Ich garantiere dir, wenn du dort mit deinem Anliegen vorstellig wirst, dann kannst du mit großer Sicherheit beobachten wie Dollarzeichen in den Augen des Beraters aufploppen.

Eltern die sich um das finanzielle Wohl ihres Kindes sorgen passen perfekt in das Beuteschema, auf das er trainiert wurde.

Die Tatsache, dass du diese Zeilen liest beweist aber schon, dass du es selbst in die Hand nehmen möchtest. Ich beglückwünsche dich zu deinem Entschluss und möchte an dieser Stelle dir einfach mal jovial auf die Schulter klopfen und sagen, dass ich das super finde.

Mach weiter so, auch wenn die eigenen Finanzen manchmal anstrengend sein können aber, wenn du das Thema einmal angepackt und erledigt hast wirst du dich super fühlen 🙂

Habe mehr Mut zum Risiko!

Ich möchte dich etwas fragen:

Hast du jemals gehört wie ein junger Erwachsener beispielsweise sagt: “Gott, wieso nur mussten mir meine Eltern ein marktbreites diversifiziertes Aktienportfolio schenken?”

Noch nie gehört? Nein?

Ich auch nicht.

Worauf ich hinaus möchte ist, dass aufgrund des bereits erläuterten Zeitvorteils man auch mal riskantere Anlageformen in Betracht ziehen kann.

Natürlich immer etwas in Abhängigkeit vom verfolgten Ziel aber in der Regel geht es ja um Zeiträume, die ein Engagement in Anlageformen erlauben, die man für sich selbst vielleicht nicht unbedingt für geeignet hält.

Lange Rede kurzer Sinn, meiner Meinung nach kann und sollte man bei langen Zeiträumen mehr Risiko tragen, es wird sich sehr wahrscheinlich irgendwann im Leben des Kindes auszahlen.

Welche Anlageformen sind als Geldanlage für Kinder geeignet?

Prinzipiell jede Geldanlage, welche man auch für sich selbst in Betracht ziehen würde, denn egal für wen das Geld ist:

Ein paar Grundregeln (siehe weiter oben) müssen immer eingehalten werden.

Wenn du meine persönliche Meinung hören möchtest dann hilft dir vielleicht folgende Übersicht bei der Entscheidung und beim Vergleich der Möglichkeiten weiter:

AnlageformFlexibilitätSchwankungPotentialAnlagehorizont
ETF-Sparplangeringhochhochlang
Festgeld/-leitermittelkeinemittelmittel
Tagesgeldhochkeineniedrigkurz
Immobiliengeringmittelhochlang

Wie gesagt das ist nur meine persönliche Einschätzung und keine Beratung.

Ein paar Worte zum ETF-Sparplan

Wer Homemade Finance schon etwas länger liest weiß, dass ich ein großer Fan dieser Anlageform bin. Mit einem ETF kann man marktbreit und kostengünstig in die Wirtschaft investieren. Meiner persönlichen Ansicht nach ist das etwas sehr Erstrebenswertes und insbesondere als Geldanlage für Kinder eine feine Sache.

Zu diesem Thema habe ich bereits ein paar Artikel veröffentlicht, welche dich interessieren könnten:

Wie ich meinen eigenen ETF-Sparplan aufgebaut habe

Was ein ETF-Weltportfolio zu haben für dich wirklich bedeutet

Anleitung (+Bilder) zum Prüfen ob dein ETF steuereinfach ist

Was ich über Festgeld und Festgeldleitern denke

Festgeld fristet meist ein etwas stiefmütterliches Dasein. Nicht besonders toll verzinst und auch nicht besonders flexibel ist es für die meisten uninteressant.

Wenn allerdings der Anlagezeitraum nicht mehr sooo lange ist und die Kinder relativ punktgenau an ihr Geld kommen sollen, dann kann Festgeld zumindest ein wenig Verzinsung über der Inflation bieten.

An dieser Stelle möchte ich daher auch kurz auf die Festgeldleiter eingehen, da sie für manche womöglich von Interesse ist.

Hierbei wird einfach in bestimmten Zeitintervallen ein Teil des Geldes nach und nach investiert. Auch ein kontinuierliches besparen mit frischem Geld ist möglich.

Die in der Zukunft dann regelmäßig freiwerdenden Beträge werden zusammen mit den neuen Einzahlungen wieder in die nächste Laufzeit veranlagt.

Das kann dann beispielsweise so aussehen:

festgeldleiter

Sinn der Sache ist, dass man so längere Fristigkeiten mit entsprechend besserer Verzinsung eingehen kann, ohne sich zu sehr von einem fixen Termin in der Zukunft abhängig zu machen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man so im Schnitt eine ordentliche Verzinsung erhält ohne den jeweils best- oder schlechtmöglichsten Zins zu erhalten.

Nach Abzug der Inflation also, wenn man sich den realen Gewinn ansieht, dann wirft Festgeld zumindest ein wenig was ab.

Tagesgeld schafft eigentlich nur Werterhalt

Tagesgeld ist eine nette Sache und wirft eigentlich auch immer ein paar Zinsen ab, wenn auch weniger als Festgeld. Allerdings war es in der Vergangenheit so, dass die reale Verzinsung meistens so bei null lag.

Unterm Strich schafft man mit Tagesgeld eigentlich so gut wie nur den Erhalt der Kaufkraft des angesparten Geldes.

Als Geldanlage für Kinder ist es daher nur bei einem wirklich kurzen Anlagehorizont geeignet.

Was ist mit Immobilien?

Auch eine abbezahlte und gut bewirtschaftete Immobilie kann eine gute Geldanlage für Kinder sein.

Allerdings gilt es hier schon deutlich mehr Faktoren zu beachten. In weiteren Sinne zähle ich zu Immobilien auch die eigengenutze Wohnung oder das selbst bewohnte Haus. Das mag steuerlich vielleicht nicht das vorteilhafteste Investment in Beton sein aber deinem Sprössling hat das ja nicht zu kümmern.

An dieser Stelle könnten dich vielleicht meine Gedanken zum Platzdilemma in unser aller Leben interessieren.

Welche Geldanlagen sind für Kinder nicht geeignet?

Kurzum, alles was zu teuer ist. Da wären beispielsweise eine private Rentenversicherung, Riester & Co., kapitalgebundene Lebensversicherungen und, ja auch der ist zu teuer, der klassische Bausparvertrag.

All diese und ähnliche Produkte haben viel zu hohe Provisionen, zu hohe laufende Kosten, zu geringe Renditen oder zu viel Papierkram.

Ich persönlich bevorzuge möglichst unkomplizierte Geldanlagen, mit möglichst wenig Gesetzen, Verträgen und steuerlichen Besonderheiten.

Kontinuität ist King!

Einer der am meisten missverstandenen Grundsätze beim Investieren ist der des regelmäßigen Anlegens gleich großer Beträge.

Meiner Meinung nach ist das einer der wichtigsten Aspekte überhaupt.

So erwischt du mal Aktien oder Festgeld, wenn es relativ teuer ist und mal wenn es relativ billig ist.

Bei gleich großen Beträgen kaufst du dann automatisch weniger Aktien, wenn die Kurse hoch und mehr wenn die Kurse niedrig sind.

Unterm Strich kommt dann ein harmonisches Mittel beim Einstiegskurs heraus, welches dich dann sehr wahrscheinlich irgendwann in der Zukunft im Plus sein lassen wird.

Ähnliches gilt auch für festverzinsliche Anlageformen. Momentan sind die (Real-)Zinsen zwar lächerlich gering aber wer weiß wie das in 10 Jahren aussieht.

Es ist auch gut möglich, dass es dann wieder mehr Rendite bei Konten gibt. Wenn du auch hier regelmäßig und für etwas längere Zeiträume fest anlegst, dann wirst du im Durchschnitt einen Zins erwischen, der über dem heutigen aber eben unter dem künftigen Niveau liegt. Hängt aber wie gesagt viel davon ab, wie sich die Zinsen entwickeln.

Aber selbst bei Strafzinsen hast du bei längeren Fristigkeiten dann einen Durchschnitt, der über (also “positiver”) ist als der dann geltende negative Zins.

Um eine erfolgreiche Geldanlage für Kinder zu betreiben musst du schlicht stur, ohne nach links oder nach rechts zu blicken, dein Ding durchziehen.

Überlege dir, wie du die Übergabe des angelegten Geldes gestalten willst

Das ist sehr wahrscheinlich ein Punkt, über den macht sich kaum jemand Gedanken. Wie und in welcher Form soll der finanzielle Segen dem Kind zugutekommen?

Ab einem bestimmten Alter oder bei Erreichen eines Ziels, alles auf einmal oder nach und nach, zur freien Verfügung oder zweckgebunden? Die Kombinationen sind endlos.

Die Geldanlage für Kinder und deren Zukunft ist nicht vollständig ohne ordentliches Übergabekonzept!

Im Wesentlichen geht es aber darum den Nachwuchs auf den vernünftigen Umgang mit Geld vorzubereiten. Hilfreich könnte beispielsweise sein, wenn beigebracht wird Geschenke stets mit Sorgfalt und Respekt zu behandeln. Denn was anderes ist die Geldanlage für ein Kind auch nicht. Es ist ein Geschenk.

Da wir hier aber langsam in den Bereich der Kindererziehung abdriften muss ich abwehrend die Hände heben:

Ich habe keine Kinder und bin damit vielleicht auch nicht der beste Ansprechpartner.

Wenn du Vertrauen in deine Fähigkeiten als Mama/Papa hast, dann lege im Namen deines Kindes an und spare Steuern

Eine Möglichkeit die familiäre Steuersituation optimal zu nutzen kann die Geldanlage auf den Namen deines Kindes sein, denn auch Kindern steht ein Freibetrag zu.

Aber Vorsicht: Sobald dein Kind 18 wird kann es über das Vermögen auch verfügen. Theoretisch könnte es es dann verjubeln oder anderweitigen nicht angedachten Zwecken zuführen.

Kümmere dich also in den 18 Jahren davor darum, dass dein Sprössling den Umgang mit Geld halbwegs gelernt hat.

Ich möchte aber darauf hinweisen, dass wenn du dich dafür entscheidest dich unbedingt über mögliche Konsequenzen in Bezug auf Steuer, Sozialabgaben und Bafög erkundigst.

Denn wenn man etwas optimieren kann, dann kann man auch etwas falsch machen.

Fazit

Schon während der Kindheit des Nachwuchses an dessen finanzielle Zukunft zu denken ist aufgrund der verfügbaren Zeit und des so nutzbaren Zinseszinseffekts eines der größten Geschenke die man seinen Lieben machen kann.

Das Schöne hierbei ist:

Bei einer Geldanlage für Kinder kannst du so gut wie nichts verkehrt machen, solange du einfach die Dreifaltigkeit des Investierens beachtest:

Günstig, diversifiziert und kontinuierlich.

Egal ob du dich für einen ETF-Sparplan, Festgeld oder etwas Anderes entscheidest:

Mit einem vernünftigen Ziel und etwas Durchhaltevermögen kannst du deinem Kind auch mit relativ wenig Geld pro Monat den finanziellen Start ins Leben erheblich erleichtern und/oder dessen Zukunft im Alter wirkungsvoll absichern.

Und was könnte bitte größere Motivation sein?

Gibt es unter den Homemade Finance Lesern vielleicht sogar Eltern? Wie habt ihr das Thema Geldanlage für das Kind gelöst? Eure Meinung dazu würde mich sehr interessieren, wie immer gerne auch als Kommentar 🙂

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